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Gallery » Arge Danzig Rundschreiben 287 » Historisches, Sachbeiträge und Berichte

Abgebildete historisch-zeitgeschichtliche Belege werden nur zu Zwecken der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger und -feindlicher Bestrebungen,
der wissenschaftlichen Forschung, der Aufklärung oder Berichterstattung über Vorgänge
des Zeitgeschehens gezeigt (siehe § 86a StGB).
Historisches, Sachbeiträge und Berichte
Im März vor 80 Jahren:
Danzig wird von den sowjetischen Truppen eingenommen.
Martin Jenrich, Tel. 030-9914166, martin.jenrich@web.de
Danzig wird im 2. Weltkrieg nicht erst 1945 von der Roten Armee angegriffen. Der erste
Luftangriff durch die Royal Air Force erfolgt am Abend des 11. Juli 1942. Insgesamt 44
Bomber sind auf die Stadt angesetzt, von denen jedoch nur 15 ihr Ziel erreichen. Mehrere
Unwetter behindern den Verband, der die Bomben über Danzig schließlich in niedriger Höhe
abwerfen muss. Der Anflug von über 1.700 Meilen bei Tageslicht ist eine der bis dato längsten
Bomberoperation der Briten im Krieg. 90 Menschen werden getötet, und zwei Bomber werden
durch Flugabwehrkanonen abgeschossen. In Danzig leben zu dieser Zeit etwa 220.000
Menschen, fast ausschließlich Deutsche. In der Stadt befinden sich die Hauptwerft der SchichauWerke, Eisenbahnwerkstätten, Hafenanlagen und Ziegel- bzw. Zementwerke. Nach 1939 sind in
Danzig Einheiten der Kriegsmarine, der Wehrmacht und der Luftwaffe stationiert.
Am 9. Oktober 1943 greifen 29 amerikanische Bomber Danzig an. Sie haben – wie die
Engländer 1942 – einen überaus weiten Anflug von England kommend über Dänemark und die
Ostsee zurückzulegen und verbringen etwa neun Stunden in der Luft. Ziele sind die U-BootBunker der Kriegsmarine. Zwei der Maschinen werden abgeschossen, acht durch Flak und
deutsche Jagdflieger beschädigt.
Im Frühjahr 1945 kommt es im Zuge der Schlacht um Ostpommern zu Luftangriffen der
sowjetischen Luftstreitkräfte, so z. B. am 26. Januar, als mehrere Gebäude schwer beschädigt
werden. Anfang Februar kommt es zu einer ungeheuren Anzahl deutscher Truppen. Am 20.2
wird für Danzig Festungsalarm gegeben, denn ein schwerer Fliegerangriff beschädigt Rathaus,
Trinitatiskirche, Museum, Vorstädtischen Graben, Zeughaus und die Handwerkskammer. Anfang
März befinden sich ca. 1 Million Flüchtlinge in der Stadt. Am 9., 16. und 18. März erzeugen
Angriffe Großfeuer in der Innenstadt. Die Marienkirche brennt. Danzig ist bis Mitte März
großräumig von der Roten Armee eingekreist. Die Möglichkeit einer Flucht besteht nur noch
übers Meer.
Klaus Böhm schreibt in der Literaturbeilage Nr. 10 „Die Danziger Postflüge im März 1945“:
In diese Zeit der zusammenbrechenden Fronten und der beginnenden chaotischen
Zustände fällt die „Danziger Notflugpost“.
Seit etwa Mai/Juni 1943 mußte ein Luftfeldpostbrief mit zwei Luftfeldpostzulassungsmarken
(Michel 1) frankiert werden, um mit Flugpost befördert zu werden… Jeder Soldat erhielt im Monat
8 Marken, von denen 4 für die Post von der Heimat an die Front bestimmt waren.
Mit der zunehmenden Abschnürung der Stadt vom Hinterland und dem ständig steigenden
Zustrom von Soldaten wird auch die Versorgung der Truppenteile mit diesen Zulassungs-marken
problematisch geworden sein, so daß man zu Notmaßnahmen, wie sie auch von anderen
Frontabschnitten bekannt waren, greifen mußte.
In wieweit Flugzeuge im März Danzig überhaupt noch angeflogen haben, ist unbekannt. Daß
Post ausgeflogen worden ist, scheint wohl sicher zu sein, nur über den Umfang weiß man nichts.
Überhaupt scheinen diese Notflüge wohl nicht mehr so ernst genommen worden zu sein.
Ein ehemaliger Danziger Postbeamter schildert die letzten Posttage in Danzig:
„Inzwischen häuften sich die unbearbeiteten Postsäcke in unserer Dienststelle (ZWPA Danzig 6
Der Ver.), denn an ein Weiterbefördern war nicht mehr zu denken, weil alle Verbindungslinien
inzwischen unterbrochen waren. Von dem Postflugzeug, das angeblich immer noch Danzig
einflog, sprach kein Mensch mehr.“

Rundschreiben RS 287, Seite 4287


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Added: 26/03/2025
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